Eine Uhr des Schweizer Herstellers Hublot. Bild von Johnson Watch über flickr.com, Lizenz: Public Domain

Ein Schweizer Sicherheitsunternehmen sichert die Marken von Luxusuhren mit einem Mikrochip, Nahfeldkommunikation (NFC) und einer Blockchain. Das Modell ist interessant – könnte aber der Beginn einer dystopischen Zukunft sein.

WISeKey, ein Schweizer Cybersicherheitsdienstleister, arbeitet mit mehreren Schweizer Herstellern von Luxusuhren zusammen, darunter Favre-Leuba und Hublot, um ihre Uhren mithilfe einer Blockchain zu sichern.

Das Hauptanliegen hierbei ist der Schutz vor Fälschungen: Luxusuhren von Herstellern wie Favre-Leuba oder Hublot kosten einige tausend Euro, wenn sie billig sind, und höhere fünfstellige Beträge, wenn der Kunde tiefer in die Tasche greift. Solche Preise sind natürlich nicht durch die Produktionskosten gerechtfertigt, sondern ergeben sich ausschließlich aus der Marke. Dies ist natürlich eine goldene Gelegenheit für Fälscher.

Aber wie will WIseKey die Blockchain verwenden, um solche Fälschungen zu verhindern? Ein Teil der Lösung besteht aus NFC-fähigen Mikrochips, die in die Uhren integriert sind und eine Smartphone-App kontaktieren können. Diese Mikrochips speichern eine „Geburtsurkunde“ der Uhr, die mit einer App validiert werden kann.

Um eine Fälschung der Zertifikate auszuschließen – oder Manöver, um sie zu hacken -, verwendet WIseKey eine Blockchain, die ihre Authentizität sicherstellt: die sogenannte „WISeAuthentic BlockChain-Plattform“. Dies stärkt nicht nur den Schutz der Zertifikate, sondern auch verbessert die Transparenz für die Besitzer der Uhren.

Die Geburtsurkunde enthält Daten zum Herstellungszeitpunkt, zum Hersteller und zum Produkttyp. Die Uhr erhält dann eine individuelle digitale Identität und die Geburtsurkunde wird mit einer privaten signiert Schlüssel, der sich nur im Mikrochip befindet. Die Uhr kann diesen Schlüssel verwenden, um ihre Identität mit einer Signatur zu bestätigen. Der öffentliche Schlüssel und das Zertifikat befinden sich wahrscheinlich auf dem Blockhain.

Laut Pressemitteilung schützt die WIseAuthentic BlockChain-Plattform bereits mehr als zwei Millionen Luxusuhren verschiedener Hersteller.

Die Blockchain von WIseKey wurde vor etwa einem Jahr veröffentlicht, ist aber geschützt b y ein Patent das das Unternehmen im Jahr 2015 eingereicht hat. Leider zögert das Unternehmen merklich, Einzelheiten über sie anzugeben, weshalb zu diesem Zeitpunkt nicht viel über sie zu sagen ist. Vermutlich handelt es sich um eine private Blockchain auf den WIseKey-Servern, die natürlich einen großen Teil der Vorteile verrät.

Interessant ist jedoch, dass Identitätsverfahren in der Blockchain mit NFC im Luxussegment beginnen. Das Konzept, ein von einem privaten Schlüssel signiertes Zertifikat in einer Blockchain zu speichern, den privaten Schlüssel auf einem Mikrochip zu installieren und gegebenenfalls die Identität über NFC mittels einer Signatur nachzuweisen, ist ziemlich schlüssig und sollte, wenn es richtig erstellt wird, sein fast bombensicher. Wer eine Luxusuhr fälschen will, braucht den Chip, und wer sie hat, muss eine Luxusuhr stehlen, damit er die Fälschung ganz einstellen kann.

Grundsätzlich kann dieser Prozess auf fast alles angewendet werden: Lebensmittel, Weinflaschen, Kleidungsstücke, Haustiere – und letztendlich Menschen. Den Menschen könnte ein NFC-fähiger Chip mit einem privaten Schlüssel injiziert werden, mit dem sie sich überall drahtlos identifizieren können. Natürlich ist diese Vorstellung sehr dystopisch, da die Menschen dann ähnlich wie Rinder markiert werden. Für diesen dystopischen Begriff wäre die Blockchain eine Schlüsseltechnologie, die die hässlichen Konsequenzen erträglicher macht: Durch die Blockchain können Menschen schließlich Eigentümer ihrer Identität sein, anstatt sie auf einem Server speichern zu lassen und im Ermessen der Depotbank. Dies macht die Entwicklung, die mit Schweizer Luxusuhren beginnt, attraktiv, aber immer noch nicht …


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