Grüne Parteibasis stimmt gegen Bitcoin-Verbot wegen Energieverbrauch – Europapol …


Hat keine tiefere Bedeutung, sondern ist nur ein hübsches Bild mit etwas Grünem drauf. Bild von Jevgenijs Slihto über flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Partei „Bündnis 90 / Grüne“ stimmt auf ihrem Wahlprogramm ab. Der Parteitag stimmte für eine Änderung bei Kryptowährungen – und gegen eine weitere Änderung. Glücklicherweise. Allerdings fordert einer der Europapolitiker der Partei, einen Gesetzentwurf der EU-Kommission zu schärfen. Damit widerspricht er auch entschieden den Beschlüssen des Parteitags.

Zunächst um Missverständnisse zu vermeiden: Wir halten uns auf dem Bitcoinblog eigentlich von Politik und vor allem Parteien fern. Da dieses Jahr aber Wahlen anstehen, dürfte es für viele Leser im Wesentlichen interessant sein, wie die verschiedenen Parteien zu Kryptowährungen stehen – vor allem, wenn es sich um eine Partei wie die Grünen handelt, die unter unseren Lesern zahlreiche Wähler hat .

Zwei Änderungen zum Wahlprogramm

Die Grünen haben ihr Programm für die Bundestagswahl 2021 bisher als Entwurf veröffentlicht. Auf dem kürzlich abgehaltenen Parteitag gab es dann viele Änderungsanträge zum Entwurf, über die die Basis abgestimmt hat.

Einer unserer Leser, der nach eigenen Angaben ein „einfaches Mitglied ohne Funktion und Ambitionen“ der Partei ist, hat einen solchen Änderungsantrag ausgearbeitet und mit 20 Unterstützern vorgelegt. Der Bundesvorstand verabschiedete daraufhin eine leicht gekürzte Fassung.

Es handelt sich um den Abschnitt zur Einführung eines digitalen Euro auf Seite 45. Darin fordert die Partei, dass die Europäische Zentralbank (EZB) einen digitalen Euro schafft, der das Bargeld ergänzt und gleichzeitig Daten- und Rechtssicherheit für Verbraucher und Unternehmen gewährleistet . Andererseits lehnt sie „die Aushöhlung des Geld- und Währungsmonopols durch private Währungen“ ab.

Dieser Satz sorgte bei Bitcoinern für Verwirrung und Verunsicherung. Strebt er nur Fortschritte wie Facebooks Waage an? Oder kündigt er ein Verbot von Bitcoin und anderen Kryptowährungen an, die durchaus als „private Währungen“ zu verstehen sind? Leider bleibt diese Passage unklar.

Auf der anderen Seite wird das Wahlprogramm im Kampf gegen die Geldwäsche klarer. Es brauche klare Regeln beim digitalen Bezahlen, um „Verbrechen wie Geldwäsche, Darstellung sexueller Gewalt gegen Kinder, Steuerhinterziehung und Terrorismusfinanzierung“ zu bekämpfen. Der Parteitag fügt diesem Abschnitt nun einen Satz hinzu: „Wir wollen den rasanten Entwicklungen im Bereich der dezentralen Finanzanwendungen gerecht werden und die Chancen und Risiken von Kryptowährungen und Blockchains differenziert ausloten. "

Dieser Satz ist, schreibt unsere Leserin, „eigentlich kein Wunder“, aber immerhin ein „Argument gegen den Verbotsantrag“, das in allen Koalitionsverhandlungen verschiedene Optionen offen halten würde. Zumindest könnte man den Satz so verstehen, dass er der möglichen Forderung nach einem Verbot widerspricht.

Wichtiger ist jedoch, welche Änderung es nicht in das Wahlprogramm geschafft hat. Denn eine Gruppe von Parteimitgliedern forderte die Aufnahme des folgenden Satzes: „Kryptowährungen wie Bitcoins haben einen enormen und wachsenden klimaschädlichen Energiebedarf, der weltweit Schaden anrichtet. Wir plädieren daher dafür, solche klimaschädlichen Kryptowährungen zunächst in Europa und dann weltweit abzuschaffen. “

Dieser Antrag wurde jedoch auf dem Parteitag mit einer Mehrheit von mehr als 80 Prozent abgelehnt.

… und in Brüssel und Straßburg wehen ganz andere Winde

Aber das alles hindert Sven Giegold, Europapolitiker der Grünen, nicht daran, gerade auf europäischer Ebene für ein Verbot von Kryptowährungen mit energieintensiven Konsensmechanismen einzutreten.

Wir kennen Herrn Giegold bereits aus einem Bericht über einen Gesetzentwurf zu Kryptowährungen, den er und Kollegen vor knapp einem Jahr eingebracht haben. Damals mussten wir eine „symptomatische Ignoranz“ feststellen.

Leider ist Sven Giegold ein einflussreicher EU-Politiker zum Thema digitale Währungen. Der bürokratische Prozess, in den er sich einklinkt, ist folgender: Die EU-Kommission hat im vergangenen Herbst einen Gesetzesvorschlag für Krypto-Assets vorgelegt. Am 31. Mai dieses Jahres haben die Fraktionen des Europäischen Parlaments Änderungsanträge eingereicht. Sven Giegold agiert nun als federführender Abgeordneter der Grünen/EFA-Fraktion.

Wo die Grünen schärfen wollen

Auf seinem Blog erklärt Giegold, inwieweit er die EU-Gesetzgebung schärfen will. Er begrüßt, dass Stablecoin-Projekte wie Facebooks Diem strengen Auflagen unterliegen sollen. Dass sich der Gesetzentwurf „zu sehr um diese Zukunftsmärkte dreht und den aktuell bestehenden Kryptomärkten mit ihren vielfältigen Problemen zu wenig Beachtung schenkt“, gefällt ihm allerdings nicht. Giegold vermisse Maßnahmen gegen „die kriminelle Nutzung von Kryptowährungen, ihren teilweise erheblichen ökologischen Fußabdruck und den regelmäßigen Mangel an Verantwortlichen“.

Er hat daher eine Reihe von Vorschlägen ausgearbeitet, um den Gesetzentwurf etwas strenger zu gestalten:

  • „Krypto-Assets und die dazugehörigen Dienste“ sollten nicht nur von den nationalen Aufsichtsbehörden überwacht werden, wie die Kommission Gesetzentwurf vorsieht, sondern auch von den europäischen Aufsichtsbehörden ESMA und EBA. Damit soll unter anderem verhindert werden, dass „laxe Aufsichtspraxis zum Instrument der Standortpolitik“ wird.
  • Giegold ist besonders besorgt, dass Kryptowährungen „ein zentrales Instrument für Cyberkriminelle“ sind. Dieses Problem ist so akut, dass es nicht auf die nächste Fassung des Geldwäschegesetzes verschoben werden kann. Stattdessen seien „speziell auf Krypto-Assets zugeschnittene Spezifikationen“ erforderlich. Giegold hat daher folgende Änderungen vorgeschlagen: Börsen und andere „Krypto-Dienstleister“ müssen die üblichen, weitgehend etablierten Maßnahmen gegen Geldwäsche und zur Identifizierung ihrer Kunden umsetzen. Allerdings sollten „besondere Sorgfaltspflichten“ gelten, „wenn Gelder aus sogenannten 'Unhosted Wallets' kommen, also von Kunden selbst verwalteten Adressen“.
  • Die Diensteanbieter dürfen keine Dienste für Privacy Coins anbieten. Vor allem dürfen sie nicht verkaufen oder handeln lassen.
  • Die ESMA sollte eine Liste von internationalen Dienstleistern führen, die die Maßnahmen unzureichend umsetzen. "Transaktionen an solche Anbieter sowie sonstige Geschäfte mit ihnen sind Krypto-Dienstleistern untersagt."
  • Giegold hat auch einen Änderungswunsch zum Kernthema der Grünen: zur Ökologie. Denn „viele der existierenden Kryptowährungen haben einen erheblichen ökologischen Fußabdruck“. Der Bergbau verschwendet riesige Mengen an Strom, Bitcoin verbraucht so viel wie die Niederlande oder die Hälfte der Rechenzentren der Welt. Daher sollte die EU „nach und nach Mindestenergiestandards für Krypto-Assets fordern“. Die Kommission solle „nicht nachhaltige Formen des Minings“ identifizieren, von denen die „Krypto-Dienstleister dann nach einer Übergangszeit die Finger lassen müssen“.
  • Es untergräbt „das zentrale Prinzip unserer sozialen Marktwirtschaft“, wenn Kryptowährungen oder Defi-Dienste dezentral betrieben werden. Denn dann gibt es niemanden, der verantwortlich ist und zur Rechenschaft gezogen werden kann. Hier sieht Giegold im Gesetzesentwurf der Kommission einen „blinden Fleck“, da „für den Emittenten eines Krypto-Assets praktisch alle Regeln gelten“. Giegold schlägt daher vor, dass die Börsen und andere Dienstleister die Verpflichtung von emittentenlosen Vermögenswerten übernehmen müssen: Sie müssen Weißbücher veröffentlichen und haften für darin gemachte Angaben.
  • Widersprüche zwischen Deutschland und EU

    Zusammenfassend: Die Parteibasis der Grünen stimmt wegen des hohen Stromverbrauchs gegen ein Verbot von Bitcoin und anderen Kryptowährungen – Sven Giegold will es aber auf europäischer Ebene einführen. Die Parteibasis stimmt dafür, die Chancen von Kryptowährungen differenziert auszuloten – und Sven Giegold möchte die monetäre Autonomie durch die eigenen Wallets mit strengen Maßnahmen unterdrücken, Coins, die echte Privatsphäre bieten, komplett verbieten und das Mitführen praktisch unmöglich machen DeFi Token ohne dich selbst unkalkulierbare Haftungsrisiken einzugehen. Kurzum: Giegold will gegen fast alles vorgehen, was Kryptowährungen interessant macht. Im Umgang mit dem Thema ist die Partei offenbar gespalten, was wohl die vagen Formulierungen im Wahlprogramm erklärt. Wir sind jedoch gespannt, ob die Grünen diesen klaffenden Widerspruch zwischen nationalem Wahlprogramm und europäischer Politik auflösen werden.


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